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Sachbuch & Wirtschaft
Veröffentlicht am 25. Oktober 2026· Aktualisiert am 25. Oktober 2026

Der Mann, der Deutschlands Autowissen nach China brachte und die Autowelt veränderte

Kurz gesagt

Wan Gang machte bei Audi Karriere. Dann kehrte er nach China zurück, um Autos mit alternativen Antrieben zu entwickeln. Seine Geschichte handelt von Smog, Wasserstoff, einer getrennt lebenden Familie und dem Aufstieg der chinesischen Autoindustrie.

Beitragsbild zum Artikel „Der Mann, der Deutschlands Autowissen nach China brachte und die Autowelt veränderte“ zum Thema Sachbuch & Wirtschaft

Prof. Dr. Wan Gang im Jahr 2011 bei Schaeffler. Foto: Schaeffler AG
Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 DE

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Inhalt

  1. 1.Vom Fahrradland zur Autonation
  2. 2.Ein Chinese macht Karriere bei Audi
  3. 3.Warum China einen anderen Antrieb brauchte
  4. 4.2000: Wan Gang verlässt Deutschland
  5. 5.Sein großer Traum: Autos mit Wasserstoff
  6. 6.Warum gewannen schließlich Batterieautos?
  7. 7.Vom Forscher zum Minister
  8. 8.2025: China ist der größte Markt für Elektroautos
  9. 9.Hat Deutschland seine Chance verpasst?
  10. 10.Und was ist mit der Umwelt?
  11. 11.Was bedeutet das für deinen nächsten Autokauf?
  12. 12.Eine bemerkenswerte Wendung der Autogeschichte
  13. 13.Du möchtest das E-Auto besser verstehen?

Vom Fahrradland zur Autonation

Peking in den 1980er Jahren. Tausende Radfahrer drängen sich morgens durch die Straßen. Autos sind selten. Wer eines besitzt, gehört zu den Privilegierten.

Doch über vielen chinesischen Städten liegt bereits eine graue Dunstglocke. Kohlekraftwerke, Fabriken und Heizungen belasten die Luft. Smog gehört zum Alltag.

Dann wächst Chinas Wirtschaft rasant. Millionen Menschen wollen ein eigenes Auto. Die Regierung steht vor einem Problem: Mehr Verbrennungsmotoren bedeuten zusätzliche Abgase und einen steigenden Ölbedarf.

Zur gleichen Zeit arbeitet ein chinesischer Ingenieur beim deutschen Autobauer Audi. Er kennt die Technik, mit der Deutschland weltweit erfolgreich ist.

Doch er sieht darin nicht den besten Weg für sein Heimatland.

Sein Name ist Wan Gang. Und seine Entscheidung wird die Autoindustrie nachhaltig beeinflussen.

Ein Chinese macht Karriere bei Audi

1985 kommt Wan Gang nach Deutschland. An der Technischen Universität Clausthal im Harz promoviert er im Maschinenwesen.

Anschließend wechselt er zu Audi nach Ingolstadt. Rund zehn Jahre arbeitet er dort und übernimmt leitende Aufgaben.

Deutschland ist damals eine automobile Weltmacht. Mercedes, BMW, Volkswagen und Audi verdienen gut mit Benzin und Diesel.

Wan Gang lernt, wie deutsche Ingenieure arbeiten, wie Fahrzeuge entwickelt werden und wie industrielle Fertigung funktioniert.

Auch privat findet er in Deutschland ein Zuhause.

Seine Frau unterrichtet in Ingolstadt chinesische Malerei und Kochkunst. Die Familie pflegt Kontakte zu chinesischen Studenten und deutschen Freunden.

Wan Gang interessiert sich für klassische Musik. Seine Tochter spielt Klavier.

Später erinnern sich Freunde sogar an die Kuchen seiner Frau, die gerne nach deutscher Art backt.

Es sind kleine Details, die zeigen, wie sehr die Familie während ihrer Jahre in Deutschland verwurzelt war.

Doch Wan Gang beschäftigt eine Frage: Wie soll sich die chinesische Autoindustrie entwickeln?

Warum China einen anderen Antrieb brauchte

In den 1990er Jahren wächst der Straßenverkehr in China schnell.

Dabei hat das Land gleich mehrere Probleme.

Die Luftverschmutzung belastet die Bevölkerung. China ist zunehmend auf importiertes Erdöl angewiesen. Und bei klassischen Verbrennungsmotoren besitzen ausländische Hersteller einen gewaltigen technischen Vorsprung.

Wan Gang sucht deshalb nach einem anderen Weg.

Warum sollte China jahrzehntelang versuchen, bei Benzinmotoren aufzuholen?

Warum nicht eine neue Antriebstechnik entwickeln?

Sein besonderes Interesse gilt damals dem Wasserstoff.

2000: Wan Gang verlässt Deutschland

Kurz vor Weihnachten 2000 verabschiedet sich Wan Gang von seinen Kollegen bei Audi.

Er hat Einladungen des chinesischen Wissenschaftsministeriums und seiner früheren Universität erhalten.

An Heiligabend fliegt er nach China zurück.

An der Tongji Universität in Shanghai übernimmt er die Entwicklung neuer Fahrzeugantriebe.

Seine Frau und seine Tochter bleiben zunächst in Deutschland.

Während Wan Gang in China seine Forschungsarbeit vorantreibt, lebt die Familie über Jahre in zwei Ländern.

Erst im Dezember 2005 ziehen Frau und Tochter ebenfalls nach Shanghai.

Ein damaliger Zeitungsbericht erzählt, dass Wan Gang sich nur einen halben Tag freinehmen konnte, um mit seiner Frau einkaufen zu gehen.

Seine Arbeit nimmt ihn inzwischen vollständig in Anspruch.

Sein großer Traum: Autos mit Wasserstoff

An der Tongji Universität richtet Wan Gang seinen Blick besonders auf Brennstoffzellenfahrzeuge.

Die Technik ist faszinierend.

Ein Wasserstoffauto mit Brennstoffzelle besitzt einen Elektromotor. Den benötigten Strom erzeugt es während der Fahrt selbst.

Dazu reagiert Wasserstoff in der Brennstoffzelle mit Sauerstoff aus der Luft. Dabei entstehen elektrische Energie, Wärme und Wasser.

Am Fahrzeug selbst fallen keine schädlichen Abgase aus der Energieumwandlung an.

Für Städte mit starkem Smog klingt das vielversprechend.

Allerdings muss Wasserstoff zunächst hergestellt, transportiert und gespeichert werden. Wie umweltfreundlich der Antrieb tatsächlich ist, hängt wesentlich davon ab, wie der Wasserstoff produziert wird.

Wan Gang lässt sich von diesen Schwierigkeiten nicht abschrecken.

2002 fährt der erste Prototyp

Unter seiner Leitung entsteht an der Tongji Universität der Brennstoffzellenprototyp Chunhui Nr. 1.

Das Fahrzeug wird 2002 auf einer Industriemesse in Shanghai vorgestellt.

Weitere Modelle folgen.

2006 erprobt die Universität bereits zehn Brennstoffzellenfahrzeuge. Darunter befinden sich Modelle der Reihe Chaoyue.

Gleichzeitig arbeitet Tongji mit Unternehmen wie Shell am Aufbau einer Wasserstofftankstelle in Shanghai.

Es geht längst nicht mehr allein um die Entwicklung eines Motors. Die Forscher müssen auch klären, wo die Fahrzeuge tanken und wie sie sich im täglichen Betrieb bewähren.

Wan Gangs damalige Vorstellung: China soll beim Wasserstoffantrieb eine führende Rolle übernehmen.

Warum gewannen schließlich Batterieautos?

Heute verbinden wir Chinas Aufstieg vor allem mit Batterieautos von Herstellern wie BYD.

Das war zu Beginn der 2000er Jahre nicht vorhersehbar.

Wasserstofffahrzeuge versprachen schnelle Tankvorgänge und große Reichweiten. Batterieautos hatten dagegen mit hohen Kosten, schweren Akkus und langen Ladezeiten zu kämpfen.

Doch die Batterietechnik entwickelte sich schnell.

Die Kosten sanken. Die Reichweiten stiegen. Immer mehr Ladestationen entstanden.

Ein entscheidender Vorteil blieb: Batterieautos nutzen Strom direkt. Bei Wasserstofffahrzeugen gehen zusätzliche Energiemengen bei Herstellung, Speicherung und Rückverwandlung des Wasserstoffs verloren.

Für viele Pkw Anwendungen erwies sich der Batterieantrieb deshalb als wirtschaftlicher und energieeffizienter.

Wan Gangs frühe Forschung war dennoch wichtig.

Sie half China, Erfahrungen mit Elektromotoren, Leistungselektronik und alternativen Antrieben zu sammeln.

Und die Wasserstoffforschung ging weiter, insbesondere für Nutzfahrzeuge.

Vom Forscher zum Minister

2007 wird Wan Gang chinesischer Minister für Wissenschaft und Technologie.

Ein Ingenieur, der bei Audi Karriere gemacht hat, gestaltet nun die Forschungsstrategie einer der größten Volkswirtschaften der Welt mit.

Präsentation zur deutsch chinesischen Zusammenarbeit bei Elektroautos auf dem Elektromobilitätsgipfel 2013

Deutsch chinesische Zusammenarbeit bei Elektroautos, vorgestellt beim Elektromobilitätsgipfel 2013 in Berlin. Foto: RudolfSimon / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

China fördert Elektrofahrzeuge, Batterien und Ladeinfrastruktur über viele Jahre.

Die Regierung unterstützt Forschung, Hersteller und Käufer. Unternehmen bauen Produktionskapazitäten auf und konkurrieren immer stärker miteinander.

Dabei entstehen hohe Kosten und technische Rückschläge. Doch die Förderung hilft, einen großen Markt für elektrische Fahrzeuge zu schaffen.

Während deutsche Autobauer weiterhin hohe Gewinne mit Verbrennungsmotoren erzielen, entwickeln sich chinesische Hersteller zu ernsthaften Konkurrenten.

2025: China ist der größte Markt für Elektroautos

25 Jahre nach Wan Gangs Rückkehr ist der Wandel deutlich sichtbar.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wurden 2025 in China mehr als 13 Millionen Elektroautos und Plug-in-Hybride verkauft.

Das entspricht fast 55 Prozent aller dort verkauften Neuwagen.

Chinesische Hersteller lieferten zudem rund 60 Prozent der weltweit verkauften Elektroautos.

Wan Gang hat diesen Erfolg nicht allein geschaffen. Wirtschaftswachstum, staatliche Förderung, Batterietechnik und harter Wettbewerb waren ebenfalls entscheidend.

Doch er gehörte zu den Menschen, die früh auf neue Antriebe setzten.

Hat Deutschland seine Chance verpasst?

Deutschland hatte hervorragende Ingenieure, erfolgreiche Hersteller und große Forschungsabteilungen.

Warum sind chinesische Unternehmen heute bei Batterien und Elektroautos so stark?

Ein Teil der Antwort liegt im jahrzehntelangen Erfolg der deutschen Verbrennungsmotoren.

Die Hersteller hatten Milliarden investiert. Benzin und Diesel brachten hohe Gewinne. Ein schneller Wechsel zu elektrischen Antrieben war wirtschaftlich riskant.

China hatte weniger zu verlieren.

Bei klassischen Motoren lag das Land zurück. Mit elektrischen Antrieben eröffnete sich die Chance, eine eigene Industrie aufzubauen.

Heute stehen deutsche Hersteller unter erheblichem Wettbewerbsdruck.

Die Geschichte von Wan Gang zeigt, dass technisches Wissen allein keinen dauerhaften Vorsprung garantiert.

Es kommt auch darauf an, welche Entscheidungen Unternehmen und Regierungen daraus ableiten.

Und was ist mit der Umwelt?

Die Elektromobilität hilft, Abgase direkt auf den Straßen zu vermeiden. Gerade für große Städte ist das wichtig.

Doch die Umweltbilanz endet nicht am Auspuff.

Batterieherstellung, Rohstoffgewinnung und Stromerzeugung verursachen ebenfalls Belastungen.

Über ihren gesamten Lebenszyklus verursachen Batterieautos im weltweiten Durchschnitt weniger Treibhausgasemissionen als vergleichbare Verbrenner. Die Höhe des Vorteils hängt unter anderem vom Strommix ab.

Und die vielen Fahrräder, die einst Chinas Straßen prägten?

Für kurze Wege sind sie weiterhin eine besonders ressourcenschonende Form der Mobilität.

Was bedeutet das für deinen nächsten Autokauf?

Heute findest du Elektroautos aus China, Deutschland, Südkorea und vielen weiteren Ländern.

Die größere Auswahl ist erfreulich. Allerdings solltest du dich beim Kauf nicht allein von Preis oder Herkunft leiten lassen.

Wichtiger sind die praktischen Fragen:

  • Wie weit kommst du im Alltag, auch im Winter?
  • Wie schnell lädt das Fahrzeug unterwegs?
  • Was kosten Strom, Versicherung und Unterhalt?
  • Wie gut sind Werkstattnetz und Ersatzteilversorgung?
  • In welchem Zustand befindet sich der Akku eines gebrauchten E-Autos?

Ein gutes Elektroauto passt zu deinen täglichen Fahrten und zu deinem Budget.

Eine bemerkenswerte Wendung der Autogeschichte

Wan Gang verließ Deutschland, weil er in China an neuen Fahrzeugantrieben arbeiten wollte.

Sein besonderes Interesse galt zunächst der Brennstoffzelle und dem Wasserstoff.

Doch die Forschung an verschiedenen elektrischen Antrieben half dabei, eine neue chinesische Autoindustrie aufzubauen.

Heute konkurrieren deren Produkte weltweit mit den Fahrzeugen seines früheren Arbeitgebers Audi.

Mich fasziniert daran besonders der persönliche Teil seiner Geschichte.

Ein Ingenieur verlässt eine erfolgreiche Karriere, lebt jahrelang getrennt von seiner Familie und widmet sich einer Technik, deren Erfolg keineswegs sicher ist.

Und ausgerechnet Deutschland, wo er sein Wissen erworben hat, muss sich heute gegen die daraus entstandene Konkurrenz behaupten.

Hat China die Zukunft früher erkannt oder Deutschland zu lange auf seinen bisherigen Erfolg vertraut?

Was meinst du?


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Quellen und weiterführende Informationen

  • Tongji Universität: Wan Gangs beruflicher Werdegang
  • Tongji Universität: Brennstoffzellenfahrzeuge 2006
  • Tongji Universität: Wasserstofftankstelle Shanghai
  • WELT: Neuer Forschungsminister schwärmt für Ingolstadt
  • Sohu: Porträt von Wan Gang und seiner Familie, 2006
  • Internationale Energieagentur: Global EV Outlook 2026

Über die Autorin

Doris Nutzhorn

Ich veröffentliche eigene Hörbücher und teste, wie sich KI-gesprochene Titel im Alltag anhören – auf Apple Books, Google Play Bücher und Spotify. Alle Einschätzungen hier stammen aus eigenem Hören und eigener Produktion.

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2026

Belege nachlesen: Quellenverzeichnis

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